#18 Hooligans am Lago di Lugano

Unglaublich dieses Herbstwetter. Gut, verschieben wir das Engadin auf nächstes Jahr. Pontresina lockt, aber nicht bei Morgentemperaturen um die minus 4 Grad. Etwas schweren Herzens überfahre ich die Abzweigung in Thusis und folge dem San Bernardino.

Melano Paradiso - unser Favorit im Tessin. Der Platz ist leer - etwas sehr leer zwar - das Wetter spätsommerlich, wunderschön. Dafür ist die 281 frei, ich mache alles bereit und niste mich ein. Ohne schlechtes Gewissen stehle ich dem lieben Gott den Nachmittag und gleich noch den Abend. Irgend ein Geist, dem meine Faulenzerei stinkt, kappt die Sicherung des Stromanschlusses und legt kurz die ganze Bordelektrik lahm. Zum Glück weiss ich langsam wo die Tretminen sind.

Am nächsten Morgen bekomme ich Besuch. Wie streitsuchende Hooligans stolziert eine Gruppe Schwäne auf mich zu - ja hallo, normalerweise halten die ja eine gewisse Distanz - nicht diese Freunde. Ich muss tatsächlich in‘s Auto flüchten, nachdem der Rottenführer versucht, fauchend seinen Schnabel an meinem Unterschenkel zu wetzen.

Zu Fuss - mein Velo steht da wo ich es vergessen habe, nämlich in der Garage auf dem Parkplatz des Nachbars - erreiche ich Riva San Vitale, ein Städtchen mit mediterranem Flair am Südende des Luganersees.

Es ist Samstag, und der bringt ein paar Leute auf den Platz. Ich bin solo unterwegs 👸❣️💏🚶‍♂️und fast ein wenig froh; manchmal wird es doch etwas sehr einsam, wenn man als Einziger auf einem Campingplatz steht.
 
Ganz anders ist das komischerweise beim Freistehen; da ist meistens Wildniss und da willst Du keinHallo Nachbar. Ich wälze noch immer Pläne, den Walfisch komplett unabhängig von Landstrom zu machen. Zwei drei Tage und Nächte halte ich zwar mit den Bordmitteln durch - Heizung und Kühlschrank können auch mit Gas betrieben werden - dann muss ich fahren oder an den Landstrom.
 
Am Sonntag verlege ich zügig, das Wetter bricht ein und ich hatte eh noch vor im Bleniotal anzuhalten. Aber die aktuellen Staumeldungen am Gotthard lassen mich ohne Nachzudenken die Ausfahrt auf die San Bernardino Route nehmen. Es erwischt mich auch hier; Reichenau ist zu, ich fahre über die Kantonsstrasse, nur wenig besser. 
 
Auch am Walensee ist ein Gestopfe und Gedränge, via Murg erreiche ich einen Parkplatz direkt am See und richte mich nochmal halbhäuslich ein. Etwa zwei Stunden später beginnt zu regnen, sagt was Ihr wollt ich find das gemütlich. Das waren wunderschöne Tage an einem der schönsten Ecken der Schweiz.

#17 46°27′20″N, 8°56′18″O

Lieber die Herbstfarben im Engadin und dafür an der Kälte schlottern oder die noch warmen Tage im Tessin? Luxusprobleme namens Qual der Wahl. Ich stehe solo am Walensee 👸❣️💏🚶‍♂️es ziehen Gewitter auf und ich habe Zeit die Strassen- und Wetterkarten auszubreiten. Kaffee her und schauen.

 
In Sankt Moritz ist es in der Nacht bereits unter Null. Das Tessin verspricht 28 Grad, wir haben zwar genug geschwitzt die letzten Wochen aber ich fahre kurzentschlossen über den Gotthard und parke den Walfisch in Aquarossa im Bleniotal.
 
Auch hier zieht langsam der Herbst ein. Nach einer kühlen Nacht mit Nordwind ist das Licht traumhaft, klar und satt. Die Touristen sind weg, ich habe den Platz fast für mich allein. Zeit zum Lesen, Nachdenken und Kochen. Am Ufer des Brenno kaum 20 Meter entfernt hat die Natur eine Art Garten angelegt; eine seltsame positive Ausstrahlung geht von diesem Platz aus. 

Als ich zum Walfisch zurück komme sitzt ein kleiner freundlicher Kater vor meiner Tür und schaut mich fragend an. Ich nehme ihn auf den Schoss und denke an meine Liebsten, die Katzenfamilie in Sardinien und das fast verlorene Katzenbaby. 

19 Grad auf dem Lukmanier. Das ist eine fantastisch schöne Gegend. Hier sind Pilzsammler unterwegs, eine davon verblüffend; blind und mit Stock hat sie die meisten Pilze in ihrem Korb. Auf einem Wegweiser entdecke ich eine Route zum Passo del Uomo; sie führt zwischen zwei Felsnadeln durch die mich schon länger faszinieren; mit meinen Flip Flops ist da allerdings nicht viel zu machen. Wird also ein anderer Tag sein. 

Einkaufs- und Putzwaschtag. Mit dem Velo ist das ein Challenge, in den nächsten Ort mit Läden zu fahren und mit zwei Einkaufstüten zurück zu fahren, denn der Platz liegt ziemlich weit weg von Malvaglia und ein steiles Stück die Lukmanierstrasse hoch. Ich organisiere meinen Bruder, der in der Nähe wohnt. Für meinen Katzenkumpel kaufe ich etwas beim Metzger und einige Steaks für die grossen Jungs. 

Genug vom Campingplatz. Ich fülle das Wasser auf, checke die Batterien und parke den Walfisch wild oberhalb von Aquacalda am Lukmanierpass. Hier befindet sich einer der dunkelsten Orte der Schweiz, perfekt für alle die wieder mal einen richtigen Sternenhimmel sehen wollen. Allerdings sieht es schwer nach Gewitter aus, und das kann hier oben spannend sein. Und das ist es; an Schlafen ist auch nach zwei sauren Most (mit) nicht zu denken, aber das Schauspiel ist unglaublich. Kurze Zeit später beginnt es heftig zu regnen, ich fahre früh ab nach Zürich und versorge den Walfisch. 

Das Wildstehen hat andere Reize als die Campingplätze, nur braucht es etwas mehr Vertrauen in sich und die Welt wenn man das allein macht. 

#16 Toscana

Unseren Plan, auf’s Geratewohl nach Kroatien zu fahren, lassen wir kurzfristig fallen. In der Hochsaison scheint es eine sehr beliebte Destination zu sein; die schmalen Strassen, zahlreiche Fährverbindungen und die Hauptreisezeit versprechen Chaos, und darauf haben wir keine Lust.

 

Wir entscheiden uns stattdessen für den Süden der Toscana. Auch hier scheinen die freien Plätze zwar eher begrenzt, aber im Camping Il Sole in Marina di Grosseto können wir noch reservieren. Warum es hier noch Platz hat, erfahren wir später. 

 

Wir machen den Walfisch startklar, unsere erste Station ist Lugano. Der TCS Camping in Muzzano liegt direkt am See und ist ideal für die erste Etappe einer längeren Reise - 3 Stunden Fahrt halten die Kiddies unterdessen gut aus.  

 

Von hier aus fahren wir am nächsten Tag Bologna an. Ich habe diese Stadt, ihre Ausstrahlung und die wunderschöne Architektur aus früheren Reisen in guter Erinnerung, und am Rand der Stadt gibt es einen anständigen Stellplatz. Also den Walfisch unter die Bäume gestellt, in denen mindestens eine Million Grillen wohnen müssen, und rein in's Gewühl, in 20 Minuten sind wir mit dem Bus im Zentrum. Ich freue mich wie ein Käfer, meinen Liebsten diese Stadt zu zeigen. 

 

Unschön aber, was wir hier antreffen. Die Stadt ist unterdessen regelrecht verschmiert mit Graffities und Tags und macht auch in der früher so charmanten Einkaufsmeile einen verlebten und ärmlichen Eindruck. Armes Italien? Die Pasta bei Vittoria ist allerdings noch dieselbe; hausgemacht und just love. Wir fahren relativ spät zurück zum Walfisch, diesmal per Taxi. 

 

Am nächsten Tag fahren wir nach Marina di Grosseto. Auch diese ehemalige Perle der Toscana macht einen etwas abgerauchten Eindruck, aber der Campingplatz il Sole, den wir ansteuern, erschlägt uns. Ein an sich schöner Pinienwald, schattige Plätze, aber die siffigen Zeltinstallationen und eine Infrastruktur aus dem letzten Jahrhundert schaffen die Atmosphäre eines Flüchtlingslagers - und wir parken da unser Luxusmobil... Nein. Zudem bedeutet 'poci passi' (wenige Schritte) einen Fussmarsch von etwa 20 Minuten bis an's Meer, das sich hier optisch von der Umgebung nicht unterscheidet. Wir räumen zusammen und fahren weiter. 

 

12 km weiter westlich erreichen wir Castiglione della Pescaia. Hier sieht es rundherum viel besser aus. Der Campingplatz Baia Azzura bietet ordentliche Stellplätze, eine grosszügige und teilweise modernisierte Infrastruktur mit zwei schönen Pools und Nähe zum Strand mit sauberem Wasser. Klar, es ist voll, aber friedlich, und eigentlich nervt nur etwas - die konstante Animation, der nach Studium des Veranstaltungsplanes kaum ausgewichen werden kann. Wir haben nie begriffen was das soll; 20 Hupfdohlen im Wasser des Pools verrenken sich vor minderjährigen Animatoren zu Technosound - ob die Leute in ihrem normalen Leben wohl zu wenig zu tun haben? Die Technotrommeln sind bis ca. 01.00 aktiv - zum Glück sind wir so geknebelt, dass wir trotzdem schlafen.


Der Strand hat jedoch etwas für sich; das Wasser ist sauber, nicht tief aber klar, und die Abendstimmungen sind schlicht einzigartig. Wir finden ein einfaches Restaurant, wo man hervorragend isst; die Spaghetti Vongole sind so gnadenlos gut dass wir eine Stammgastschaft eröffnen - nein, auf Kochen haben wir wenig Lust. Die Hitze ist teilweise unglaublich, wir verbringen die meiste Zeit im oder am Wasser, das allerdings langsam auch auf Körpertemperatur liegt.  

 

Nach 8 Tagen astreinen Badeferien, die wir einmal tapfer bei 32 Grad mit einer Velotour nach Castiglione unterbrechen, haben wir es gesehen und machen uns auf die Rückreise. In der Nähe von Parma parken wir nochmal für drei Nächte im hügeligen Hinterland auf einem lustigen Platz namens Arizona. Hier ist viel weniger los als am Meer, es hat Platz obwohl die Ferien in Italien begonnen haben. Wieder mal haben wir tierische Nachbarn; rechts zwei frischgebackene Nichtraucher in Form eines Paares aus Holland, das unser zugegebenermassen im Teamwork gelungenes Landemanöver beklatscht und uns nach kurzem Gespräch die letzten Camel Filter wegraucht, links ein spielfreudiger junger Hund, leider nicht von der kleinen Sorte. Aus unseren kollegialen Rammlereien gehe ich gezeichnet hervor.  

 

Am Abend des 1. August sind wir wieder in Lugano Muzzano. Der Schweizer und sein 1. August - sämtliche Zufahrten zu unserem Platz sind mit Tischen, Racletteöfen und Grills verstopft. Strategisch haben wir uns angewöhnt, jeweils am Abend die Etappen zu fahren. Die Kids sind geduldiger, haben ihre Energie schon etwas abgelassen und die Stimmung draussen ist immer ganz speziell. Das rächt sich jetzt. Nachdem wir jede Seitenstrasse auskundschaftet haben, muss eine Gesellschaft aus Luzern dann weichen; ein aufziehendes Gewitter erleichtert das Gespräch, rasch räumen wir das Strassencafe beiseite und stellen den Walfisch ab. Als meine Liebste den Kaffee brutzelt, fallen die ersten Tropfen. 

 

Dank dem Regen startet auch das traditionelle Feuerwerk, das aufgrund der anhaltenden Trockenheit abgesagt war, doch noch. Vorher ziehen wir mit den Kids im spontan organisierten Lampionumzug um den Platz - bei den meisten erwachsenen Bewohnern scheint allerdings schon ordentlich Gerstensaft geflossen zu sein. 

 

Am nächsten Tag fahren wir heim - staubedingt wie meistens über den San Bernardino. Auf der Fahrt denken wir laut - Sommerferien im Süden - für nächstes Jahr hecken wir wieder etwas anderes aus; der Süden ist etwas für den Herbst geworden.

#15 Walensee

Uns bleiben ein paar Stunden Zeit den Walfisch wieder klarzumachen für den nächsten Trip zu viert, langsam haben wir aber Uebung. Die Kids wollen noch dies und das und wie meistens besteht zwischen Plan und Realität ein grosser Unterschied. Natürlich fahren wir zu spät ab. Wir wollen nach Weesen am Walensee auf den Campingplatz Gäsi. Zum Glück kennen wir die Leute da schon, um 20.00 schliesst der Platz aber eben - alles Organisationssache. 

 

Der Gäsi liegt am rechten Ufer des Walensees gleich gegenüber von Weesen und ist aus verschiedenen Gründen cool: er liegt direkt am Wasser, ist eine Stunde von daheim entfernt und hat einen richtigen Sandstrand. Die Stellplätze für Wohnmobile liegen grösstenteils unter alten Bäumen, und es scheint als wäre das Publikum von der normalen und netten Sorte. Weesen erreichen wir zu Fuss in ca. 20 Minuten, an der kleinen Seepromenade gibt es schöne Gartenrestaurants. Wir verbummeln den frühen Nachmittag in der Beiz und hauen uns dann mit Decke und Badehosen an den Strand. Trainiert wird ‚Schifere’, Sandburg bauen und in eisiges Wasser steigen - nein, Badewetter ist noch nicht. 

 

Im Gäsi gibt es einige Grill- und Essplätze direkt am Strand. Ich stelle trotzdem meinen Mini-Designpreis-Supergrill auf; wer das kleine Klapperteil sieht erwartet automatisch Siedfleisch, aber weit daneben: das Geschlachtete wird herrlich knusprig. Der Sonnenuntergang ist zwar nicht so spektakulär wie in Walenstadt, aber das Licht am Abend ist wunderschön, es sieht aus wie an einem Fjord in Norwegen - warum genau rennen wir eigentlich immer so weit weg obwohl wir die schönsten Plätze quasi vor der Nase haben? Da kann ich mich gleich selber an derselben nehmen... 

 

Am kommenden Morgen bricht das Wetter etwas ein, es wird kühler und erste Regentropfen fallen. Die Kids haben einen Spielkameraden gefunden, wir machen uns gemäss nicht abgemachter Abmachung hinter unser rollendes Haus - Frau räumt ein und um, sie ist hochpraktisch veranlagt und kann organisieren, Mann klärt die Aussenseite und das Klo, das verfl... Teil. Am Montag habe ich meinen dritten Termin beim Kloflicker....

#14 poschiavo

Poschiavo ist für uns ein richtiggehend geschichtsträchtiger Ort. Keine Hoffnung schöpfen, die Details bleiben unter Verschluss. Bei traumhaftem Frühsommerwetter starte ich von Urdorf aus und rolle gemütlich über die Autobahn bis nach Thusis. 

 

Ich freue mich zu früh auf die Pässe; Julier und Bernina stehen auf der Routenliste. Schon kurz nach Thusis fahre ich auf einen stabilobossgrünen Car auf; ein Riesenteil, der für die Verengung in Bivio ein Manöver von 10 Minuten braucht. Wir fahren weiter wie ein Schneckenumzug, und bald gesellt sich zu unserem Konvoi ein Kieslaster und ein Betonmischer, welche die zahlreichen Baustellen vor uns versorgen. Im Kriechgang geht es den Julier hinauf. 

 

Unser Walfisch ist ja weiss Gott nicht untermotorisiert, aber schon die Strassenbreite verhindert ein halbwegs sicheres Ueberholmanöver. Am Hospiz schlage ich mich in die Büsche und warte 15 Minuten bis diese Elefanten Land gewonnen haben. In Richtung Sankt Moritz und Pontresina hat es weitere Baustellen, erst an der Bernina geht es wieder zügig voran. Diese Gegend ist unglaublich schön, nach vielen Jahren und unzähligen Besuchen bin ich wieder auf‘s Neue fasziniert. 

 

Am späteren Nachmittag erreiche ich den Campingplatz Boomerang, 20 Gehminuten vom Dorfkern entfernt und sehr schön gelegen. Der Platz ist fast leer, ich habe wieder mal freie Wahl und stelle den Walfisch mitten auf eine Wiese, ein wunderschöner Platz. Was tut man nun in Poschiavo? Solistentum  👸❣️💏🚶‍♂️. Ich miete mir mal erst ein Velo - ok es war ein e-bike und zwar von der gröberen Sorte; schliesslich bin ich schon ü40. Dann den Walfisch gut verriegeln; schwere Gewitter sind angesagt. Dann ist die Pizza im Hotel Albrici ein absolutes Muss. Ein Abstecher zum See (das Restaurant Mirolago ist immer noch Spitze) und zollfrei Einkaufen in Livingno muss ebenfalls sein. Schon die Fahrt über den Forcola ist sehenswert; was für eine Landschaft, und Livigno im Sommer ist irgendwie immer speziell lustig.

 

Für die Rückfahrt spare ich mir den Julier mit seinen Rotlichtern und aufgerissenen Strassen und verlade den Walfisch auf die Vereina. Es ist ein Nervenkitzel; den rechten Rückspiegel ziehe ich schon mal unfreiwillig ein und gebe mir beste Mühe, die Flanken nicht an der Reling des Bahnwagens abzustreifen. Nach rund 20 Minuten fährt man unterhalb von Klosters wieder raus, Augen gerade aus, rechts weg nach Lanquart, Autobahn nach Zürich, fertig. Ging fast zu zügig, aber gut so, denn am Abend starten wir schon wieder zu viert in Richtung Walensee und im Kühlschrank hallt es. 

 

#13 Aquarossa

Der Wetterbericht kündigt wieder Blitz und Donner an; gewohntes Bild im frühen Juni 2018. Ich will trotz der seit Wochen andauernden schlechten Prognosen in’s Tessin und überlege mit dem Motorrad zu fahren.

 

Oberalp Lukmanier; mir sitzt noch die letztjährige Erfahrung im Genick: starker Regen, noch stärkere Windböen und im Südteil so dichter Nebel dass wir die Strasse nicht mehr sahen. Da hole ich lieber den Walfisch aus der Garage und fahre los. Es ist schon sehr spät, als ich am Gotthard debattiere, ob ich eine freistehende Nacht auf dem Pass verbringe, was seinen ganz eigenen Reiz hat, oder direkt nach Aquarossa fahre. 

 

Ich bin solo unterwegs 👸❣️💏🚶‍♂️. Ich nehme mir vor, Freinacht auf dem Pass nur mit ihr und dann sollte es der Julier oder der Albula sein. Direkt gewinnt; gegen 22.00 fahre ich den gemütlichen kleinen Platz im Bleniotal an, mit einem etwas komischen Gefühl im Bauch: kurz nach Biasca war ein schwerer Unfall mit tödlichen Folgen, immer dieselbe Kurve... 

Ich manövriere unseren Dicken auf einen guten Platz ohne Bäume; so ein dicker Ast, vom Blitz abgeschlagen, kann einem die ganze Nacht versauen. Es ist nicht ohne, allein im Dunkeln zu rangieren; trotz Rückfahrkamera braucht es etwas Erfahrung, die ich aber mittlerweile habe. Kurz die Tänke aufgefüllt, Strom gelegt und dann ab in die Falle. Ein Gewitter zieht durch und bringt prasselnden Regen und plötzliche Kälte. Am frühen Morgen sind noch 10 Grad am Start; kein Grund den Kaffee drinnen zu trinken. 

Den kommenden Tag lasse ich ruhig angehen. Langeweile?- fragen mich meine alten Kollegen aus den Zeiten, in denen wir von dunkel bis dunkel im Büro hockten. Keine Spur. Vorausgesetzt man mag es sich selber zu unterhalten und kommt ohne Fernsehen aus, kann man wieder mal tun, was uns allen fehlt: nichts. Zudem gibt es am Fahrzeug immer etwas zu tun und entlang des Flusses, an dem der Platz liegt, gibt es einige zauberhaften Ecken, an denen auch ein kurzes Bad drin liegt. Reden wir nun nicht über Kürze, vor allem von Gliedmassen, aber die Temperatur weist klar auf Schmelzwasser hin. 

Mein Bruder kommt zu Besuch; ein Fleischfresser wie ich, gehört es mittlerweile zu unseren Gepflogenheiten, gescheit zu reden und grillflächefüllende Fleischstücke zu brutzeln. Am Abend regnet es wieder, aber auch im Bauch des Walfisches lässt es sich sehr gut wohnen. Auch am zweiten Morgen ist es sehr kühl und feucht. Ich kämpfe wieder mal mit der Gasflamme, da gibt es so einen Sicherheitsmechanismus, und frage mich wie meine Süsse das Ding austrickst. Gegen Mittag packe ich ganz gemütlich zusammen und fahre zurück nach Zürich. 

Das Bleniotal ist sehr eigen, wie vergessen von der Zeit, aber eine der schönsten und wildesten Ecken der Südschweiz. Ich liebe diesen kleinen und selten vollen Campingplatz sehr; er ist auch ein guter Ausgangspunkt für Touren in der Nähe. Hat man Glück (oder Verstand) und der Gotthard ist frei, ist man auch mit dem Dickschiff in 2 1/2 Stunden dort. 

#12 Mini-WM Stuttgart

Kaum zurück aus Deutschland ziehen wir wieder los. In Stuttgart findet eine Fussball Mini WM statt, bei der unser Grosser mit seinem Team mitspielt. Ehrensache, wir fahren mit dem Walfisch.

 

Laut den Organisatoren ist das Parkieren gleich vor der Sportanlage möglich. Eine Infrastruktur hat es jedoch nicht. Wir füllen also die Wasser- und Gastanks und den Kühlschrank auf und fahren los. Es ist ein spezielles Gefühl, wie wir uns mitten in einem Wohngebiet hinstellen und dass Esszimmer rausräumen. Wir brauchen zwei Parkplätze; zum einen ist der Walfisch für einen Platz zu fett, zum andern kann eng parkieren übel enden. Es passiert dann doch, dass sich ein kleiner Honda in die halbe Lücke presst, bei der Abreise ist er jedoch zum Glück weg. Mit 7 meter 15 Länge braucht es einfach etwas Drehwinkel zum Manövrieren. 

 

Die Tournierspiele dauern zwei volle Tage bei recht instabilem Wetter. Immer wieder regnet es, aber die Jungs kicken was das Zeug hält und schaffen es sauber in‘s gute Mittelfeld. Am Spielrand ist einiges los. Weder fehlen die etwas zu sehr ehrgeizigen Eltern, die ohne wirklich über Sachverstand zu verfügen Kommandos schreien wie Verrückte, noch die komplett überlasteten Fressbuden, und da und dort liegen die Nerven frei. ..... ok, eine Stunde anstehen für zwei Tüten Pommes ist ja auch ein weltbewegendes Problem, aber sonst... sollte so ein Turnier nicht einfach Spass machen? Spass, Herrschaften, haben die kleinen Stöpsel nicht schon genug Druck im Genick?

 

Die meisten Teams bestehen aus Schweizer Fussballclubs, welche die Trikots der jeweiliegen internationalen Mannschaft tragen (kam mir wirklich kurz die Frage auf wer den Transport dieser Kinderteams aus aller Welt finanziert..?). 

 

Wir nehmen es locker, privilegiert wie wir sind ist das auch recht einfach. Während andere in ihr Hotel und zurück auf den Platz hetzen, fallen wir auf dem Sportplatz buchstäblich einmal um und sind zuhause. Wer den Trubel nicht aushält, geht kurz liegen oder hängt sich auf den Sessel und gut ist. Unser Walfisch schafft die drei Tage ohne Infrastruktur locker; wenn wir etwas vorsichtig mit Strom und Wasser umgehen wären wohl auch 5 Tage drin. 

 

Stuttgart ist einen Besuch wert, auch wenn viele Deutsche das anders sehen. Die Altstadt ist für deutsche Verhältnisse richtig gemütlich, und es gibt gute Restaurants. Wir probieren mit Freunden gleich zwei am selben Abend aus. Man kann ja auch zweimal z‘Nacht ässe oder?

 

Da wir noch einen Tag Zeit haben, halten wir in Lindau am Bodensee an. Leider ist die gesamte Zone komplett dicht, in Deutschland sind noch Pfingstferien. Wir ergattern noch einen Platz ausserhalb der Barriere eines Campinghofes, ein One Night Parkplatz, aber dank dem guten Auge meiner Liebsten haben wir eine kleine Wiese zur Verfügung, es ist also fast wie auf einem normalen Campingplatz. Weniger normal ist die Animation; überlaut kräht eine wenig talentierte Sängerin, begleitet von einer ebenso wenig talentierten Band Songs von Helene Fischer und Co. Deutsche Bierseligkeit, das muss man mögen.. Gut stehen wir nicht alle auf Dasselbe! 

 

#11 3 Länder - 5 Städte

Wenn man sich Landkarten anschaut ist man meistens entweder übermütig oder hoffnungslos optimistisch. Unser Plan lautet: von Zürich der Nase nach über Legoland nach München, Salzburg und Wien. Wir haben 8 Tage Zeit und, wir ahnen es schon, eine Portion Arbeit um dem Schlechtwetter die lange Nase zu zeigen.

 

Unsere erste Etappe führt nach Allensbach am Bodensee. Der Platz liegt ca. 1 1/2 Stunden von Zürich weg und ist als Ausgangspunkt für eine längere Tour im Norden ideal. Wir haben über diesen schönen Platz schon berichtet. Am nächsten Morgen fahren wir früh ab nach Günzburg und quartieren uns im Legoland Hotel im Piratenzimmer ein.

Der Walfisch übernachtet auf einem Parkplatz vor dem Hotel. Um es kurz zu machen: unbedingt zwei Tage Zeit nehmen, es gibt einfach zu viel zu sehen. Wir können uns zuerst kaum entscheiden in welche Richtung wir gehen. Gut ist zuerst eine Fahrt mit dem Legoland Express zu machen, das verschafft etwas Uebersicht. Und spart das Geld für den Priority Pass nicht, das lohnt sich auf alle Fälle. 

 

Am Abend des zweiten Tages fahren wir nach München. Auf einem kleinen, einfachen Campingplatz nahe der Stadt verbringen wir die Nacht und fahren am nächsten Morgen mit dem Bus nach München. Die Stadt hat ihren mondänen Ruf nicht umsonst und spielt in der Liga von anderen Edelplätzchen in Europa - gemessen am Index des Kaffeepreises - 8 Euro für den Cappucchino, ja das ist schon im oberen Drittel. 

 

Am Abend machen wir den Walfisch flott und ziehen weiter nach Salzburg. Stadtcamping nennt sich der Platz, den wir ansteuern, und der Name ist verdient: von unserem Stellplatz überschauen wir die Stadt, in 5 Minuten ist man am Bus und fährt direkt in‘s Zentrum. Nahe beim Platz gibt es ein kleines Restaurant, typische österreichische Deftigküche. Ich begehe den Fehler meines Lebens; als Tafelspitzfan schlage ich sofort zu und habe diese Teigtaschen, die zum Hinknien sind, einfach übersehen, fertig. Der eilige Gang am nächsten Tag kann das Problem nicht beheben: Wirtesonntag...  

 

Wir bleiben noch eine Nacht in Salzburg. Wien spülen wir, denn im Osten zieht schlechtes Wetter auf. Schöner scheint es im Osttirol; wir visieren am späteren Nachmittag Innsbruck an und landen bei Einbruch der Dunkelheit am Natternsee, an dessen Ufer ein äusserst charmanter Campingplatz liegt. Der platzeigene Shop ist leider zu und das nahe gelegene Seerestaurant serviert ab 21.00 nichts mehr. Das können wir unseren beiden Kleinen nicht verkaufen. Wir durchstöbern unsere letzten Vorräte - na viel is da nimmer wie der Bayer sagt, aber irgendwie gehts immer.. Ein wunderschöner Platz aber Leute, nehmt Vorräte mit.. 

 

Am nächsten Morgen kaufen wir zuerst mal ein und lassen dann mal die Gebeine hängen; am Abend wollen wir bis Bad Ragaz fahren und am Tag darauf nach Zürich. Die Kids amüsieren sich mit unseren Nachbarn Jutta und Roland, einem Paar aus Deutschland mit einem Jack Russel. Sofort verfallen wir in diejenige Diskussion, die in den letzten Monaten gelegentlich aufflackert: sollen wir nun Hund oder nicht? Wären die Kids wohl immer so fasziniert und gut beschäftigt ....?

 

Am späteren Nachmittag ziehen wir weiter. Es ist Pfingsten, und natürlich hat es über Feldkirch mächtig Stau. Wir weichen aus über Bregenz - Note 6 für die olle Navitante, die uns schon übel durch den Schlick gezogen hat - und kommen ohne Anstehen in Bad Ragaz an. Auf diesen Platz, ab dem wir unsere erste Reise mit Folgen angefangen haben, zieht vor allem eins: das platzeigene Restaurant mit seinen indischen Gerichten und grolliger aber erz-symphatischer Platzwart, der immer ein Ohr für mein Geklön hat.  

 

Der Walfisch ist auch als Cityliner bestens gerüstet, und wir sind uns einig: auch wenn es manchmal etwas Aufwand mit sich bringt, wir fahren mit dem Wind, organisieren spontan was nötig ist und sollten mal alle Stricke reissen kann der Walfisch auch mal 36 Stunden ohne Strom- und Wasseranschlüsse stehen. 

 

#10 Geburtstag im Walfisch

Kurzurlaub, Städtereise, Motorradtour, Wellness? Erwähnte doch meine Liebste ein paar Wochen vor ihrem Geburtstag, sie würde gern im kleinen Kreis etwas Gemütliches machen. Wir waren grad bei Fischer‘s Fritz am Zürichsee.

 

Der Platz, sofern Fortuna gnädig ist und einen Stellplatz am Wasser sichert, hat eine ganz eigene Atmosphäre, so etwas für Luxusnomaden, mit einem tollen Seerestaurant. Und, das muss hier gesagt sein, äusserst hilfsbereite Mitarbeiter, denen kein Aufwand zuviel ist, wenn sie helfen können, eine Ueberraschung zu organisieren. 

 

Am Samstag morgen starten wir mit unserem ballonpepackten Walfisch in Richtung Kilchberg und parken direkt am Wasser - ja, wir haben bei 120 km/h sowohl die Ballons als auch die anderen Schmucksachen abgestreift. Hoch gepokert (doch, es gab einen Plan B), bleibt das Wetter trocken und schön.

 

Wir beziehen unser Quartier, was mit einem Wohnmobil etwas länger dauert als ein Hotelzimmer zu beziehen, und dann können wir endlich mit Freunden und Verwandten einen der Tische unter der alten Linde verwüsten. Den Tag beenden wir im Seerestaurant mit etwas mehr intus als bei uns üblich. 

 

Am Sonntag versuchen wir, den Brummkopf on den Griff zu bekommen - erfolglos, denn unsere Kids haben ein Gerät gesichtet, das wir als Arschnässer identifizieren - eine Art Kanu mit Tiefwassergang. Wir schippern zwischen Seglern und Motorbooten rum und legen bald wieder an; der Grill will noch geheizt werden und nach den Filettos sind auch unsere Köpfe wieder brauchbar. 

 

Ich denke leise über eine weitere Nacht am Zürichsee nach. Die Kids müssen zur Schule, meine Süsse in ihren Alltagsjob und ich müsste ja auch arbeiten wenn ich noch täte... 

#9 Gezügelt!

Man sollte einen Stellplatz haben bevor man sich einen Camper kauft. Wir hatten damals Glück, in der Nähe von Urdorf einen Aussenplatz zu erwischen. Das hat aber leider viele Nachteile: diese Plätze sind gekiest, oftmals schräg, es gibt keine Möglichkeiten Wasser und WC zu entsorgen und auch keinen Strom. Das ist im Winter nicht witzig, da die Kälte an den Batterien zerrt und die Wassersysteme im Frost leiden können. Zum Glück konnten wir den Walfisch heute in's Trockene fahren. Unser neues Quartier hat Abwasser, Frischwasser, eine WC Station und Strom. 

#8 Sardinien Ostküste und Süden

Eigentlich hätten wir ja nach Griechenland fliegen sollen.. diesen Trip hatten wir bereits im März 2017 geplant. Nun, es läuft nicht immer nach Plan A, aber der Plan B ist rasch entwickelt. Am Sonntag abend verladen wir das Nötige für zwei Wochen Zigeunerleben ohne Plan und fahren gemütlich und staufrei via Gotthard nach Como. Beim Einloggen auf dem Camping International bemerken wir, dass die Pässe der Kinder fehlen. Italien ist heute weit entfernt von der unbürokratischen Art der 80er Jahre - wir besorgen uns also Kopien und beschwichtigen die etwas nervöse Rezeptionistin.

 

Am nächsten morgen ziehen wir los in Richtung Livorno. Bei einem Zwischenhalt on La Spezia zerdeppere ich mit einem unglücklichen Manöver einem parkierten Mercedes das Rücklicht und dem Walfisch die Stossfänger. Dazu aber später mehr. In einem Forum habe ich gelesen, dass der Hafen von Livorno schwer zu finden sei - komplett untertrieben, wir eiern eine gute halbe Stunde durch Docks und über Brücken, während uns die Navitante im Schilf rumführt. Genügend Zeitreserve mildert den Stress und wir fahren rechtzeitig auf diesen Riesenkahn der Grimaldi Lines. Am frühen Morgen erreichen wir Olbia und entscheiden uns, die Ostküste entlang in Richtung Süden zu steuern.

 

Dazu muss das Städtchen Olbia durchquert werden - als hier die Strassen gebaut wurden hat sicher niemand an einen Walfisch gedacht, der sich fast die Rippen an den Hausmauern abstreift. Aber wir schaffen es ohne Beulen und Kratzer. Unser Ziel ist der Camping Tavolara in Porto Taverna, ein sehr ruhiger Flecken in der Nähe des Strandes mit guter Infrastruktur.

 

Die nächste Etappe führt nach Tortoli auf den Camping Cigno Bianco, ebenfalls ein schöner Platz direkt am Strand mit der ruhigen Atmosphäre der zu Ende gehenden Saison - überall ausser auf einem Modecamping der Schweizer hat es genügend Platz, die Strände hat man für sich, bei 25-27 Grad, das Wasser ist allerdings auf dem Niveau eines gut gekühlten Bieres.

 

Wir entscheiden uns, weiter nach Süden zu fahren, wo es wärmer sein sollte, und steuern Muravera an, das nahe der Costa Rei liegt. Ich erwische in Bari Sardo eine Abzweigung, die tief in das Labyrinth der Gassen führt, und hier wird es einmal so knapp, dass beide Rückspiegel gleichzeitig an den Mauern kratzen. Dagegen ist Olbia Kinderkram, wir schwitzen Blut und Wasser.

 

Auf dem Camping Tiliguerta finden wir einen schönen Platz direkt am Strand. Blöderweise unterschätze ich die Enge, die der Baumbestand schafft und verklemme den Walfisch auf's Uebelste im Geäst- es bleibt nur noch die Probe, ist der Baum stärker oder der Walfisch; leider ist es der Baum. Ich räche mich zwar und reisse ihm einen Ast ab, aber unser Hinterteil erwischt zwei Beulen. Die Frage, wie wir hier wieder rauskommen, stelle ich erst einige Tage später. Vorweg genommen, es gelingt ohne weitere Schäden, als wir uns über die SS125 auf den Rückweg nach Tortoli machen. Die Kinder haben sich den Camping Telis ausgesucht, ein Terassenplatz direkt am Meer mit einer unglaublich schönen Aussicht auf die Bucht. Hier bleiben wir vier Nächte.

 

Jeder Platz wird bisher vom nächsten übertroffen. Der Camping Telis ist ganz besonders schön, eine Atmosphäre zum Bleiben und sich hängen lassen. Dass wir uns nicht zu sehr gehen lassen, dafür sorgt ein Katzenbaby, welches direkt am Zaun zum Nachbargrundstück in einen Schacht gefallen ist und die ganze Nacht jämmerlich schreit. Die Rettungsaktion dauert zwei Tage und nimmt uns ganz schön her, denn Italiener zu überzeugen, für ein Katzenbaby Aufwand zu treiben, ist nicht ganz ohne. Schliesslich gelingt es aber, das Kätzchen auf eine Decke zu lotsen und aus dem Schacht zu hieven. 

 

Es wird Zeit, nach Olbia zurück zu fahren. Nein, Lust nach Hause zu fahren haben wir nicht. Wir nehmen die SS125, die wunderschöne Teilstücke hat - kurz nach Muravera verwandelt sie sich in eine Passstrasse, die sich mit unzähligen Kurven durch die Berge und zwei Nationalparks windet. Es ist landschaftlich ein wahrer Traum und fahrtechnisch gesehen ziemlich herausfordernd. Ein revoltierender Kindermagen zwingt uns zwei Mal zu Stopps; es gibt diese Momente, in denen man sich wünscht, man hätte die Idiotenroute genommen...

 

Wir erreichen Olbia früh am Nachmittag, parkieren den Walfisch am Hafen und schauen uns das Städchen zu Fuss an, bevor meine Liebste den verwegenen Plan entwickelt, die Wartezeit bis zum Einschiffen mit Risotto kochen zu vertreiben. Dummerweise ist alles etwas früher dran und wir fahren mit dampfenden Kochtöpfen, in dem ein halbfertiger Risotto köchelt, auf die Fähre. Mit Hilfe des Bodenpersonales bringt meine Liebste die Kocherei zu Ende und wir vernichten den ausgezeichneten Risotto heisshungrig unter Deck. 

 

Livorno am nächsten Morgen: es regnet, und die Prognosen weiter nördlich sind wenig ansprechend. Durch Nebel und Regen fahren wir mehr oder weniger durch, bis sich auf der Höhe von Capolago doch plötzlich die Sonne zeigt; über dem Lago di Lugano ist stabiles Schönwetter, entgegen allen Prognosen. Wir wollen nicht nach Zürich durchfahren und halten auf dem TCS Camping in Muzzano noch für eine Nacht an. Es windet stark, wir spüren die Luftveränderung und die recht tiefe Temperatur. Natürlich muss ausgerechnet in dieser Nacht die Gasflasche, deren Ende ich schon lange erwartet habe, den Geist aufgeben. Ich friemle also morgens um drei an den Gashähnen rum, bis die Suppe wieder kocht. Ohne weitere Zwischenfälle fahren wir am Mittag nach Biasca und weiter nach Zürich. 

 

Es ist ein anderes Sardinien im Oktober. Wer diese wunderschöne Insel einmal ohne Touristenmassen und das unvermeidliche Gedöns geniessen will, dem sei der Oktober wärmstens empfohlen. Stabiles Wetter, angenehme Temperaturen und etwas entspanntere Sarden als im Hochsommer. Nur für das Baden ist das Wasser schon etwas kühl, übrigens auch in den Pools. Das muss man mögen, wie auch diese eigenartige und wunderschöne Stimmung am Ende der Saison. 

 

Route:

Zürich - Como

Como-Livorno

Livorno - Olbia longitude 9.496443 latitude 40.923576

Olbia - Porto Taverna Tavolara

Porto Taverna - Tortoli Cigno Bianco

Tortoli - Muravera (Costa Rei) Tiliguerta

Muravera - Tortoli Telis

Tortoli - Parco Nazionale Del Golfo di Orosei (SS125)

Parco Nazionale Gennargentu (SS125) - Dorgali

Dorgali - Olbia

Olbia - Livorno

Livorno - Muzzano (Lugano)

Lugano - Zürich

#7 Kurzurlauber

Familienbesuch im Tessin. Heute bin ich das erste Mal allein mit unserem Walfisch unterwegs. Am frühen Nachmittag rolle ich gemütlich über die Autobahn in Richtung Gotthard, der mich wieder mal mit 5 Minuten Wartezeit verwöhnt. Dafür stehen die Autos nordwärts auf zwei Kilometern.

 

Die Leventina runter bin ich in bester Gesellschaft: schwere X-Tonnen-Brummer, Autobusse - das ist vor allem in den Tunnels lustig; beim Ueberholen entsteht ein Sog, der den Walfisch spürbar aus der Spur drückt. Na ja Ihr fetten Kerle, wir sind eben auch kein Leichtgewicht. 

 

Ich biege ab in's Bleniotal und fahre ohne Halt auf den Campingplatz in Aquarossa. Das wird ein ruhiger Aufenthalt - manchen wär's vielleicht zu ruhig - ausser 10 Kühen und drei Kälbern, natürlich alle mit Glocken ausgerüstet, ist hier niemand, auch kein Platzwart. 

 

Ich habe die freie Wahl des Platzes und stelle unser Mobil bequem hin. Kurz die Ressourcen aufgestockt, einen Espresso geköchelt und die Sessel raus. Der Platz in Aquarossa ist definitiv auch ein 5-Sterner; er liegt sehr schön, hat alles was es braucht und noch ein bisschen mehr, z.B. ist er das ganze Jahr offen. Wintercamping mit Fondue..

 

Ich verbringe eine sehr ruhige Nacht mit Kuhglockengeläut und einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch; es ist ungewohnt still und natürlich fehlen mir meine Liebsten 👸❣️💏🚶‍♂️. Das Handling des Fahrzeuges allein ist einfach, aber spassiger zu zweit. Am nächsten Tag fahre ich unseren Walfisch zurück nach Hause - via Brunnen natürlich, dieser Aussicht bei einem Cappuchino kann ich nie widerstehen.

 

#6 Nur mal schnell ein paar Stunden weg...

Wie beliebt das Ausfliegen mit Wohnwagen und Wohnmobilen mittlerweile ist, zeigte sich dieses Wochenende. Hätte jemand gedacht dass bei 6 Grad Nachtemperatur und unsicherer Wetterlage gleich zwei Plätze in unserer Nähe voll gebucht sind?

Zürich-Kilchberg verstehen wir ja noch, aber am Zugersee, das ist schon schräg. Nun gut, als Experten des Plan B entscheiden wir uns für den Sihlsee. 


Der Ort nennt sich Grüner Affe, das muss der Affe sein der uns laust. Die Stellplätze für Wohnmobile sind gelinde gesagt potthässlich und dieser Bereich des Platzes ziemlich siffig. Nein, da gehen wir lieber auf einen Parkplatz direkt am See.

 

Beim Weiterfahren stossen wir auf den Camping Euthal, ein sehr kleiner hübscher Platz mit Selbstbedienung direkt am Sihlsee. Schön, nur gibt es hier keine Einkaufsmöglichkeiten, was wieder mal zur Improvisation zwingt. Irgendwie gehts immer! Am Sonntag packen wir zeitig zusammen und fahren nach Einsiedeln. Obwohl massiv touristisch, zieht das Dorf uns beide schon lange immer wieder an.

 

Eine eigenartige Atmosphäre, heute etwas schwer aufzuspüren durch eine Veranstaltung namens Iron Bike. Das muss so was wie Iron Man auf Fahrrädern sein. Wir parken unseren Walfisch auf der Wiese vor dem Dorf, chatten mit der Einweiserin über die Vorzüge von rollenden Häusern und verlümmeln den Nachmittag mit Softeis, Klosterhallen und Capucchinos, während sich die armen Kerle auf der äusserst fiesen Zielsteigung den letzten Herzschlag abringen. Aber wie der Name sagt, müssen hier nur die Bikes eisern sein, oder?... Nach der Anstrengung dieses Anblickes brauchen wir eine Bratwurst. 

 

Der Sihlsee ist eine wunderschöne Gegend und von Zürich aus für einen Kurzausflug ideal gelegen. 

#5 Lernfahrten und "Lehrblätz"

Bedienungsanleitungen lesen ist nicht mein Ding. Ich probiere lieber. Nur ist das bei einem mit Technik vollgestopften Fahrzeug nicht unbedingt der optimale Plan. Das Gas geht sicher dann aus wenn wir abseits der Pisten stehen und weit und breit kein Laden in der Nähe ist. Abgewürgte Dachverschlüsse weil ich zu faul bin zum Lesen. Das Multimedia-Navigierungsdingsbums - meine Herren, was ist denn das... also verordne ich mir heute eine Lernfahrt.

 

Zuerst mal nach Lachen auf die Marina in der Absicht noch rasch bei einem guten Stück Fleisch vorbei zu schauen - 100 und X andere hatten die Idee aber offenbar auch, es ist gerammelt voll.

 

Zum Trost suche ich mir einen grossen Parkplatz. Stand hier nicht schon mal.. nein, kein Hünchenwagen weit und breit, sch... ich richte mich häuslich ein, zwei Stunden später sind meine Fragen beantwortet und alles ist ausprobiert. Der Platz bietet auch eine gute Gelegenheit, mal gesichert die Grenzen unseres Walfisches abzutasten. Vor allem beim rückwärts rangieren ist es gut zu wissen, wie es im Rückspiegel aussieht, kurz bevor die Stossstange in die Mauer kracht. Die Rückfahrkamera ist nämlich eher geeignet, sich die Gänseblümchen der Rabatte näher anzuschauen. 

 

Von Lachen aus fahre ich retour in Richtung Zürich - ich könnte ja im Fischer's Fritz nächtigen, so lautet mein verwegener Plan. Aber.. bis jetzt war ich immer mit meiner und meinen Liebsten unterwegs, wie soll ich sagen, ich bin noch nicht soweit, unser gemeinsames Wochenendhäuschen allein zu beziehen.

 

Anstelle Grillbratwurst fahre ich bei Wädenswil auf die Raststätte, auf der es tatsächlich noch ein Cindy-Diner gibt. Eine Schweizer Landkarte an der Wand bezeichnet 3 Standorte, als wären wir in einer Konzern-Empfangshalle, und erinnert an bessere Zeiten. Ganz im Stil der 70er Jahre gehalten katapultiert es mich in einen anderen Film - um diese schrägen Szenen zu beschreiben, die auf Raststätten ablaufen, bräuchte es einen eigenen Blog. Also, Fischer's Fritz soll warten, ich versorge bei mir einen Hamburger und den Walfisch auf den Stellplatz. 

 

#4 Melano Paradiso & Allensbach

Dieses Wochenende braucht niemand ein Wetter App um zu wissen, im Süden wird es regnen was das Zeug hält. Aber wir haben uns in den Kopf gesetzt, ohne die Kinder nach Melano zu fahren. Also ziehen wir am Freitag abend los über den Gotthard, der gnädig mit 500m Stau aufwartet.

 

Ueber eine schräge, seltsam verschlungene Route, auf die uns die Tante vom Navigationssystem nötigt, erreichen wir unseren Standplatz 281. Immer wieder checken wir die Wetterlage, aber auch die gut bezahlten Frösche versagen restlos - was auch prognostiziert wird, mit Ausnahme von einigen Minuten regnet es einen Tag und zwei Nächte durch. Sehr gut auszuhalten allerdings, mit den richtigen Sachen an Bord; es wohnt sich perfekt in unserem rollenden Haus. 

 

Am Sonntag verziehen sich die Wolken kurz bevor wir abfahren müssen. Am Gotthard hat es den üblichen Sonntagsstau von 8 km, wir biegen ab in Richtung San Bernardino. Auf der Nordseite ist tatsächlich der Winter eingebrochen! Tief verschneite Landschaft, auch auf der Strasse liegt noch Schnee. Am späteren Nachmittag erreichen wir Zürich, holen die Boys ab und fahren gleich weiter in Richtung Bodensee nach Allensbach. Ein Platz nach unserem Geschmack; relativ klein, direkt am See, freundliche Leute, eine ruhige und sehr spezielle Stimmung.

 

Dass es kalt geworden ist kümmert uns wenig; Heizung an und gut ist. Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir (wieder mal) vergessen haben, dass in Deutschland eben Euros angesagt sind... Der Kühlschrank gähnt uns an, also machen wir uns auf die Socken, um etwas Kleingeld in etwas Essbares umzutauschen. Wunderschön ist es hier am Morgen. In einem nahen Restaurant wechselt man unsere harte Währung gern und fragt ob wir sonst alles haben. 

 

Allensbach hat eine zauberhafte Garten- und Kunstlandschaft am Seeufer angelegt. Die erkunden wir am Nachmittag, bevor uns starke Windböen wieder Regen ankündigen - mit dem Glück, das wir haben, packen wir im Trockenen zusammen und fahren heim. Wir wollen ja auch immer noch ein wenig zu den Plätzen berichten. Allensbach kriegt von uns 5 Sterne. Hier hat es was man braucht, nicht mehr und nicht weniger. 

#3 Fischer's Fritz

Arbeit und Wetter sind manchmal Spielverderber - wir haben schon damit gerechnet, das Wochenende zuhause zu bleiben.

 

Ah aber es will nicht richtig, wir wollen weg. Also unternehmen wir gegen Mittag die weite Reise von Urdorf nach Kilchberg und stellen uns auf dem Camping Fischer's Fritz gleich an der Zürcher Stadtgrenze auf. Ich wundere mich, man kann den Platz auch für ein paar Stunden zu einem Schlawinerpreis mieten.

 

Der Plan ist simpel - Familienbesuch bei uns am Klapptisch, Bialetti Kaffeemaschine einbrennen und raus mit dem Grill. Gegen sieben Uhr abends sollen wir zurückfahren nach Urdorf.

 

Tun wir auch, obwohl wir am liebsten die Nacht über bleiben und morgen früh die Kids gleich mit dem Wohnmobil in die Schule bringen würden. Der kleinste von uns sagt es zuerst "können wir nicht hier schlafen"? Aber die Vernunft muss manchmal siegen.

 

Der Platz kriegt von uns 5 Sterne - er liegt schön, ist unspektakulär in der Aufmachung, liegt direkt am See und hat alles was es braucht; vor allem sehr flexible und zuvorkommende Rezeptionisten.

#2 Testweekend am Sempachersee

Wir übernehmen unseren eigenen Bürstner 726G Camper und fahren am Freitag abend relativ spät an den Sempachersee. Unser Einrichtungs-Wochenende - aus dem Kopf haben wir uns eine Liste gebaut, alles Eingekaufte ist an Bord und muss verstaut werden - Betten anziehen, Küche einräumen, Heckgarage organisieren und und und - bis Mitternacht klüttern wir rum. 

 

Aber entweder man trifft oder nicht - wir haben den Pfeil genau im Schwarzen, alles funktioniert wunderbar und nichts ist zuviel, obwohl einer von uns die Neigung hat jeden Gimmick mitzuschleppen. Die 8 Tage Erfahrungen mit dem gleichen Camper haben sich gelohnt. 

 

Der Platz bekommt drei Sterne von uns; es ist ein schöner Camping, aber das Badeverbot im See und das Einzwängen in das angelegte Seebad sind nicht unser Ding. Das Durchorganisierte dieser grösseren Plätze, das an all inclusive erinnert, zieht auch das entsprechende Publikum an. Am Samstag abend träumen wir vom Camping Paradiso in Melano und einer langen Reise ohne Plan. 


#1 Den Virus eingefangen...

... haben wir uns auf einer achttägigen Tour - eigentlich hatten wir vor, mit den Kindern zu zelten, ohne Plan, wo es uns grad hinverschlägt. Beim checken des Wetterberichtes wird rasch klar: die Idee bleibt, aber statt mit dem Zelt geht es mit dem Wohnmobil los. Mit einem gemieteten IXEO Time G726 Edition von Bürstner fahren wir am ersten Tag die relativ kurze Strecke nach Bad Ragaz auf den Giessenpark (4 Sterne von uns) - relativ, weil sich mit kleinen Kindern an Bord alles relativiert. Relativ, weil wir mitten in der Hochsaison sind und keine Plätze vorreserviert haben. Gleich vorweg an die warnenden Stimmen: es ist kein Problem schöne Plätze zu finden, man muss nur mit den Leuten reden. Etwas Glück gehört auch dazu. 

 

Am nächsten Tag fahren wir via Thusis, Tiefencastel und den Julierpass nach St. Moritz auf den TCS Camping (5 Sterne von uns). Es ist wirklich spannend, mit unserem Walfisch Pässe zu fahren. In St. Moritz legen wir einen Hafentag ein und laufen in der Nacht des 1. August dem See entlang nach Silvaplana - nicht Samaden, wie einer von uns meint und prompt das wegen Regen benötigte Taxi an den falschen Ort bestellt. Ueber den Berninapass geht es nach Poschiavo und weiter nach Sorico am Comersee. Auch hier sind die Campingplätze gut besucht, einige Telefonate sind nötig bis wir einen kleinen familiären Platz finden (4 Sterne von uns). Auch hier muss ein Hafentag sein, reizen den Pool aus und nerven das Personal. Wir erkunden das Dorf und kaufen ein - Italien ist esstechnisch einfach eine andere Klasse.

      

Am Morgen bauen wir früh ab und fahren in einem Stück an den Lago di Lugano nach Melano - via Lecco und Como; die Route über die rechte Seeseite ist eng und unübersichtlich. Aus dem Glace in Como wird leider nichts, parkplatzmässig hat es da keine Ecke, in die ein 7m 15 Dampfer passt. In Melano stehen wir direkt am Wasser, pumpen das Schlauchboot und fahren in die Bucht von Capolago. Der Platz Paradiso ist ein Geheimtip, sehr schön gelegen und urgemütlich (5 Sterne von uns). Am Abend entscheiden wir uns, das Wohnmobil zu unserem Wochenend- und Ferienzuhause zu machen! Wie wir später erfahren ist unser IXEO zwar bereits verkauft, aber wir haben wieder mal Glück..

 

Von Melano aus geht es am übernächsten Tag auf den Lukmanier. Kurz vor dem Pass parken wir unseren Walfisch und packen Tisch, Grill und Steaks aus. Das heizt dem Virus richtig ein, es ist einfach cool und wir machen gleich einen Familienbesuch daraus. Am Abend fahren wir auf den Pass und die Surselva runter nach Walenstadt für unsere vorerst letzte Nacht (4 Sterne von uns). Am Walensee gibt es bei schönem Wetter unglaubliche Stimmungen. Wir verbringen den Abend am Strand und fotografieren was die Kameras hergeben. Am nächsten Tag hat uns der lange erwartete Regen eingeholt;  es giesst in Strömen während wir nach Zürich fahren.

 

Die Essenz: nichts geht schnell. Wir sind eigentlich andauernd beschäftigt mit Wasser auffüllen, Abwasser wegbringen, das WC leeren, kochen, grillieren, abwaschen, aufräumen, die Kinder versorgen, aber nichts geht schnell. Es ist eine Art Entschleunigung mit Deluxe Aussichten, die es in Hotels nicht gibt. Und ohne die Zwänge, die es in Hotels gibt.